Infoabend: Vogelsterben? Bauern können helfen

 

Am 28.02.2018 ab 19:30 Uhr findet im Gasthaus Huber in Landersdorf ein Infoabend zum Thema Artenschwund in Feld und Flur statt. Diese Veranstaltung organisieren wir in Kooperation mit dem Tagwerk Förderverein.

Sie trägt den Titel: Vogelsterben?  Bauern  können  helfen

Wir wollen damit Landwirten Möglichkeiten aufzeigen, wie sie der immer mehr unter Druck geratenen Flora und Fauna auf ihren Flächenhelfen können.

Natürlich sind auch interessierte Personen, die nicht landwirtschaftlich tätig sind, herzlich eingeladen.

 

Nachfolgend finden Sie einen Text aus der Tagwerk-Zeitung zu diesem Infoabend von Franz Leutner:

 

 

Vögel des Himmels im Sinkflug

Biblischer Irrtum

„Seht die Vögel unter dem Himmel: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“  (Matthäus 6, Vers 26).                             

Hier irrt die Bibel aber gewaltig.  Vögel arbeiten hart. Für sich und ihre Brut sind sie unablässig auf Nahrungssuche. Etwa 120 000 Fliegen und Mücken müssen Schwalben allein für ihre Brut im Flug erbeuten.   Vögel säen übrigens (Eichelhäher!) und sind außerdem beste Kopfarbeiter. Sie denken voraus und manche wie z.B. Krähen  benutzen Werkzeuge, wie Stöckchen oder Drahthacken. Vögel berechnen ihren „Spatzenhirnen“ komplizierte Flugrouten und ihre Nester sind häufig Kunstwerke aus sorgfältig gewählten Materialen.

Doppelter Irrtum

Die Bibel irrt in zweifacher Hinsicht. Sie bekräftigt die landläufige Meinung, dass der himmlische Vater (sprich die Natur) die Vögel  schon irgendwie ernährt. Inzwischen pfuscht der Mensch dem Herrgott aber gewaltig ins Handwerk. Das Vogelsterben erreichte in diesem Jahr alarmierende  Ausmaße. Nach einer Studie der TH Aachen ist nicht mehr auszuschließen, dass „ehemals häufige Vogelarten vollständig als Brutvögel aus Deutschland verschwinden oder nur mit marginalen Restpopulationen überleben“.

Wo sind sie geblieben?

Wo waren sie heuer, die Mengen an Wildbienen, Heuschrecken und Schmetterlinge?  Dem Vogelsterben geht das Insektensterben voraus und dem Insektensterben das Verschwinden blühender Feldblumen und Kräuter. Bis zu 80 % der Insektenbiomasse soll seit den 60er Jahren hauptsächlich durch Agrargifte verschwunden sein. Tendenz steigend.  

Natürlich sind diese Aussagen und Zahlen umstritten.  Allerdings legt die Intensivierung der Landwirtschaft und der steigende Pestizidverbrauch die Befürchtung nahe, dass hier nichts aus der Luft gegriffen wurde.

Schließlich kann jeder Laie feststellen, dass z.B. in den Maisfeldern höchstens noch Blattläuse leben, aber keine nahrhaften Insekten und Spinnen. Auch gibt es kaum blühendes Leben unter dem Mais und am Feldrain. Um in dieser Feldflur ihre Brut zu ernähren, arbeiten sich Vögel buchstäblich auf. Schließlich leben Vögel intensiv und verdauen schnell. Sie benötigen ein Überangebot an proteinreicher Nahrung wie Insekten, auch um deren Entwicklung nicht zu beeinträchtigen. Aber Insekten benötigen Nektar, Honigtau, Kleinstlebewesen usw.

Teufelskreise

Vögel, Bienen, Schmetterlinge, die bunte Feldflur... alle sind auf Rückzug und zugleich  Indikatoren für den Zustand unserer Welt. Ihr Verschwinden löst oft Kettenreaktionen an Problemen aus, die wir häufig versuchen, mit noch mehr Gift zu lösen. So hat  z.B. der Bestand der Kuckucke in manchen Gegenden zwischen 15 und 50 % abgenommen, weil es immer weniger Brutvögel wie Rohrsänger gibt, denen das Kuckucksweibchen die Eier ins Nest schwindeln kann. Die haarigen Raupen des Eichenprozessionspinners werden aber fast ausschließlich von Kuckucken gefressen. Der Spinner gilt als Baumschädling für dessen chemische und andere Bekämpfung wie Absaugen jährlich Millionen ausgegeben werden. Aber diese Maßnahmen treffen nicht nur Spinner, sondern auch andere Raupen, Käfer, Kleininsekten, Wildbienen usw.

 

Vogelschutz dann, wenn es zu spät ist

Das Verschwinden der Arten und das Einbrechen der Populationen werden von der Forschung seit Jahren nicht nur registriert, sondern auch empirisch nachgewiesen. Selbst Pestizide, die auf Insekten nicht tödlich wirken, bedrohen die Artenvielfalt durch Krankheit, Unfruchtbarkeit oder wie bei Erdhummeln festgestellt durch eine erheblich verminderte Eiablage. Obwohl selbst das Bundesumweltamt im April dieses Jahres einen Bericht vorstellte, in dem vom Verlust von 300 Millionen Brutvogelpaaren in EU die Rede ist, wird dieser Abwärtstrend  von der Politik hartnäckig ignoriert. Nicht ernsthaft gerüttelt wurde bisher an der Verteilung der Agrarsubventionen zugunsten der großen Umweltverschmutzer und an der Zulassung von Glyphosat und Neonicotinoide.  Eine vogelfreundliche Landwirtschaft ist offenbar ein politisches Fernziel für die Zeit, in der alles zu spät ist.

Was tun?

Auf die Frage, wie man das Vogelsterben stoppen kann, antwortete der renommierte Ornithologe Prof. Franz Bairlein: „Im Bioladen einkaufen.“  Wer Bio einkauft, fördert die Biolandwirtschaft und wer Bio produziert fördert die Artenvielfalt und die Lebensgrundlagen der Vögel. So einfach ist  wirksame Hilfe.

Alle Bauern können helfen

Aber nicht nur der Biobauer, jeder Landwirt kann einen Teil dazu betragen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, nicht jeden Quadratzentimeter bis zum Straßenrand zu verwerten, sondern Zeit und Platz zu lassen für Nahrungspflanzen („Unkräuter“), zum Brüten und zur Jungvogelaufzucht. Jeder, der Verantwortung für sein Land trägt, ist aufgerufen mitzumachen. Maßnahmen zum Vogel- und Insektenschutz erfordern oft keinen großen Aufwand und werden von vielen Bürgern, dem Natur-bzw. Vogelschutzbund aktiv unterstützt oder ggf. auch finanziell gefördert. Mit einer Veranstaltung „Vogelsterben? Bauern können helfen“ am 28.02.2018 plant TAGWERK die Zusammenarbeit der Landwirte mit den Vogelschützern enger zu gestalten.

Die Bibel hat doch recht

Sicher steckt hinter dem anfangs zitierten Bibelspruch eine andere Botschaft und der Evangelist hat sich lediglich eines missverständlichen Gleichnisses bedient. Vielleicht wollte er darauf hinweisen, dass wir statt verbissen nur an Wachstum und Maximalerträgen lieber locker und großzügig auch an die Anderen denken sollen. Dann könnten auch morgen noch die Vögel des Himmels der Schöpfung  ihren Lobpreis singen.  So gesehenen hat die Bibel doch recht.

(Franz Leutner)

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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